Interview mit Michael Majerski zu seinem Film aus dem Jahr 2013 "Oberschlesien - Hier, wo wir uns begegnen"
Meine Filme sollen über Schlesien schreien Photo und Zwischentitel: 1.Wenn ich durch Polen fahre, sehe ich eine gigantische Bürokratie in Warschau und dicke Datschas in Masuren. Der Rest von Polen sollte sich für die schlesische Armut mitverantwortlich fühlen. 2.Mein Traum wäre, dass sich polnische und deutsche Vertriebene an einen Tisch setzten – Danuta Skalska aus Bytom und Erika Steinbach, beide aus dem Verband der Vertriebenen. Ich wüsste nicht was daraus geworden wäre, aber reden ist doch besser als zu klagen. 3.Bytom, das durch die Bergbauschäden buchstäblich in die Erde sinkt, ist ein Drama mit Weltdimension Mein Traum wäre eine Oper über den Untergang von Bytom zu machen. Von Josef Krzyk „Gazeta Wyborcza“ vom 11.10.2013 Katowice. Michael – eigentlich Michal – Majerski, seit Ende 1970 in Deutschland arbeitend, Schlesier, lebt in Berlin und Stettin, Absolvent der Filmhochschule in Lodz, hat sich als Spezialist für Themen erwiesen, um die andere einen weiten Bogen machen. In „ Meiner Mutter Land“ und „Meines Vaters Haus“ hat er uns über Polen erzählt, die nach dem 2.Weltkrieg Westpommern besiedelt haben, weil sie aus ihrer Heimat von Stalin verjagt wurden – und er erzählt auch über die Deutschen, die deshalb vertrieben wurden und sich einen anderen Platz zum Leben suchen mussten. Aber auch über deutsche Frauen spricht er, die trotz allem gewagt haben, dort unter den jetzt neuen und fremden Nachbarn zu bleiben. Majerski hat dabei nicht moralisiert und belehrt, sondern dokumentiert das Drama der Einen und der Anderen, der Entwurzelten, die in einer fremd gewordenen Welt verloren sind. Majerski gelang es, die Protagonisten über ihre eigenen Geschichten zum Reden bringen, über die sie Jahrzehnte lang geschwiegen haben. Ein ähnliches Kunststück gelang ihm in seinen schlesischen Dokumentarfilmen – „Oberschlesien-Streuselkuchen von zu Hause“ vor drei Jahren und in dem in diesen Tagen in Chorzow gezeigten „Oberschlesien – Hier, wo wir uns begegnen“ ( Lob an Krzysztof Karwat, der den Film in Rahmen der Zyklus „Oberschlesien – die kleine Heimat“ im Theater „Rozrywki“ präsentiert hat). Achtung Katastrophe ! Wenn der vorletzte Film eine Art nostalgische Reise durch Oberschlesien war, angereichert mit Gesprächen mit Schlesiern, die ausgewandert sind und sich ein neues Zuhause am Rhein erbauten, dann ist der neue Film von Majerski – das Ergebnis zweijähriger Arbeit – ein Schrei danach, Schlesien vor einer Katastrophe zu retten. Ein Schrei – betont durch Bilder von gesprengten Schachttürmen und toten Landschaften. Majerski hat die Seiten Schlesiens gezeigt, die keiner von denen, die hier leben, sehen will. Er hat eine Welt gefilmt von alten, auseinanderfallenden Arbeitersiedlungen, von armen Leuten bewohnt. Der einzig gut aussehende Ort in seinem Film ist ein neu gebauter Kreisverkehr in einer Kleinstadt, der als Kulisse für eine düstere Geschichte dient: Gleich unter der Oberfläche der neuen Straße liegen Skelette von jungen deutschen Gymnasiasten, denen irgendein Wahnsinniger in den letzten Kriegstagen befohlen hat, Soldatenuniformen anzuziehen und der sie unbewaffnet direkt vor die Maschinengewehre der einmarschierenden Rotarmisten schickte. In dem schlesischen Städtchen, in dem das passiert ist, wissen viele davon, aber nur einer – Majerski zeigt ihn – trauert. Er wohnt dort erst seit der Nachkriegszeit und ist kein Schlesier. Er hat eine ähnliche Geschichte zu erzählen über seinen Großvater, der in der Nachkriegszeit von polnischen Sicherheitsbehörden des Polizeireviers in Mielec auf dem Müll vergraben wurde. Ähnlich traurig ist auch die Szene, in der die Kamera das Gelände der ehemaligen Lagers der NKWD in Tost besucht. Es ist vor Kurzem in ein Kohlenlager umgewandelt worden. Die Angehörigen derer, die hier zu Tode gefoltert wurden, dürfen keine Blumen niederlegen, weil sie nicht durch das Tor durchgelassen werden. Die Erben des Hasses Der Film von Majerski ist aber keine Abrechnung mit schlesischer Nachkriegsgeschichte, obwohl viele von seinen Protagonisten über ihr Unrecht erzählen. Majerski legt Wert darauf, dass sichtbar wird, wie wenig die Bewohner Schlesiens über einander wissen. Die Tatsache, dass sie alle in getrennten Welten und ohne wirkliche Kontakte untereinander leben, ist der Meinung des Regisseurs zufolge die Ursache der sich immer mehr vergrößernden schlesischer Katastrophe. „Nicht das fehlende Geld, sondern der fehlende Wille ist der Grund, weshalb Oberschlesien nicht dem Ruhrgebiet ähnelt“. Majerski beginnt seinen Film mit einem Motto, einer Warnung: „Wir sind die Erben des Hasses“. Unbewusst bestätigen das auch einige seiner Protagonisten. Seit über 60 Jahren leben sie auf gepackten Koffern und denken an die Schicksale der längst verstorbenen Eltern und Großeltern – und Majerski glaubt, dass auf diese Weise die Traumata an die nächste Generation weitergegeben werden. Die Politik – jetzt seid ihr an der Reihe Der Filmemacher meint, dass der Ausbruch aus dem verfluchten Kreis nur durch Annährung von allen gesellschaftlichen Kreisen in Schlesien und vor allem durch eine gründliche Reform der Schulbildung möglich sein kann. Eine erste Unterrichtsstunde hat er selber während seiner Arbeit an dem Film gegeben – die Schüler des Slowacki Lyzeum in Chorzow haben erfahren, dass ihre Schule früher einen anderen Namensgeber hatte. Dieser Film – das hat Majerski selber gesagt – ist für junge Menschen gedacht, damit diese ihre Augen für die Umwelt öffnen, in der sie leben. Es wäre aber auch gut, wenn sich diesen Film „Oberschlesien – Hier, wo wir uns begegnen“ auch Politiker anschauen würden, denn Majerski, der die Politik meidet, hat eine Wirklichkeit berührt, die sich nicht ändern wird, wenn die Politiker sie weiter ignorieren. Leider weiß man jedoch nicht, wo und wann man sich den Film nochmals anschauen könnte, da er nur selten gezeigt wird, was sehr schade ist. Ein Gespräch mit Michael Majerski Josef Krzyk: Warum haben Sie Oberschlesien in so düsteren Farben gezeigt, sind wir wirklich so? Michael Majerski: Das ist nur ein Kostüm, das aus dem Thema des Films hervorgeht und aus den Menschen, die ich dort getroffen habe. Als ich mit dem Drehen angefangen habe, hatte ich kein fertiges Drehbuch, ich wusste nicht in welche Richtung ich gehen werde. Hätte ich andere Menschen getroffen, würde ich in dem Film ein anderes Schlesien zeigen. Manchmal hatte ich den Eindruck, das ist ein Film über die letzten Schlesier. Wollten sie das zeigen? Mein Film ist ein Schrei, weil ich zu Schlesien ein sehr emotionelles Verhältnis habe. Ich stamme von hier und sehe, dass die Reste unserer Kultur verschwinden. Vielleicht ist das ein natürlicher Ablauf der Dinge, es schmerzt aber trotzdem. Haben sie nicht aufgehört sich als Schlesier zu fühlen, obwohl sie hier seit über 30 Jahre nicht mehr leben ? Ich bin in Polanica (Altheide Bad) geboren wo meine Mutter eine Arbeitsanweisung bekommen hatte. Dort hat sie dann meinen polnischen Vater kennen gelernt. Groß geworden bin ich aber in Gliwice (Gleiwitz), in dem Stadtteil, den man das „Bermudadreieck“ nennt. Das ist ein Viertel wo alles zusammenfällt – die Czeslawa und die Franciszkanska Straße. In Gliwice gibt’s doch viele schönere Plätze. Könnte man nicht lieber dort drehen? Auseinanderfallende Siedlungen gibt’s nicht nur in meinem „Bermudadreieck“. Als ich den Film gedreht habe, habe nicht daran gedacht, ob ich gerade in Gliwice, Bytom oder Zabrze bin. Das durch Bergbauschäden in den Boden sinkende Bytom, das ist ein Drama von entsetzlichem Ausmaß. Mein Traum wäre, darüber eine Oper zu machen. Die Schwerindustrie, die früher für Schlesien ein Segen war, ist heute zum Fluch geworden? Einen anderen Ort, an dem sich so viele überalterte Schwerindustrieanlagen befinden, gibt es in Polen sonst nicht. Diese Industrie gilt es komplett zu revitalisieren, Schlesien und die Schlesier alleine schaffen das aus eigenen Kräften nicht. Was sollte man Ihrer Meinung nach tun? Wenn es nicht diese antideutsche Einstellung gäbe, dann könnte man einen Anfang dadurch machen, dass man sich in den Zug setzt und in wenigen Stunden in das Ruhrgebiet fährt: und sich ansehen, wie man dort das Problem gelöst hat. Sie scherzen! Dort wurden Milliarden ausgegeben. Die kriegt man in Polen nicht. Das Geld ist nicht das Problem, sondern vor allem die fehlenden Konzepte und Entscheidungen. Wenn sich jemand mit fehlendem Geld herausredet, dann glaube ich nicht daran. Zunächst sollte man selber für eine Sache überzeugt auftreten, sich zusammen organisieren und dann wird sich das Geld finden können. Sogar in solchen Ruinen, wie Sie in dem Film gezeigt haben, lässt sich also was machen? Gäbe es in Oberschlesien z.B. Kunstgalerien, dann würden sich auch Investoren finden, die hier ihr Kapital investieren. Es wird dann klar: hier gibt’s Menschen, die über den Tellerrand schauen können und sie werden unsere Vorhaben absichern können. Wer soll das machen, wenn die Menschen, die in dem Film zu sehen sind – sogar die, die schon lange hier leben – sich in Schlesien immer noch fremd fühlen? Ich möchte nicht missverstanden werden, aber mir fallen hier die Vertriebenenverbände ein. Die Menschen, die dort organisiert sind, leben oft nur in der Vergangenheit, anstatt sich Gedanken darüber zu machen, wie man das heutige Leben gestalten könnte. Ich verstehe diese Menschen gut, weil sie in ihren Traumata versunken sind und keiner ihnen dabei hilft. Es gibt doch den Spruch, dass man sich am eigenen Schopf nicht aus dem Dreck herausziehen kann. Polnische Vertriebene aus den ehemals polnischen Gebieten sind zu hermetisch. Ich meine: warum könnten sich Frau Skalska und Frau Steinbach nicht zusammen an einen Tisch setzen und über Lösungen für Schlesien sprechen? Vielleicht weil jede von ihnen lieber über ihre eigenen Probleme reden als die der anderen zuhören will? Ich bin mir darüber bewusst, welche Gefahren ein solches Treffen mit sich bringen würde, aber ich denke trotzdem, dass einen Versuch wert wäre. Das ist doch auf jeden Fall besser als ständiges Klagen. Das übrige Polen hört ungern das ständige Jammern in Oberschlesien. Wie könnte man sie von einem Meinungswechsel überzeugen? Es geht nicht um übertriebene schlesische Ansprüche. Wenn ich durch Polen fahre, sehe ich in Warschau eine gigantische Bürokratie und dicke Datschas in Masuren. Das übrige Polen sollte sich für die schlesische Armut mitverantwortlich fühlen. Sind sie für schlesische Autonomie? Egal wie man das nennt, aber die Entscheidungsträger sollten doch akzeptieren, dass diese Region völlig anders als die anderen ist und man darf sie nicht mehr so behandeln wie bisher, weil das nicht funktioniert. Ich habe keine Patentrezepte, aber ich weiß, dass es mittlerweile zu wenige Einheimische in Oberschlesien gibt und sie alleine Schlesien vor dem Zusammenbruch nicht retten können. Schlesien war immer multikulturell und so soll es auch weiterhin bleiben. Mein Traum wäre, dass Frau Skalska und andere polnische Vertriebene sagen würden: auch wir sind Schlesier, mehrsprachige schlesische Ethnien. Schlesien ist unsere Heimat, für die wir die Verantwortung übernehmen werden und deren Schicksal in unseren Herzen liegt. Sie sind Fantast. Man sollte man doch mit irgendetwas anfangen, auch wenn es nur kleine Schritte wären. Durch den Film konnte sich bereits etwas bewegen. Nachdem ich mit der Kamera nach Tost gefahren bin um zu zeigen, was dort auf dem Gelände des ehemaligen NKWD Lager passiert, wurde dort ein Gottesdienst vom Bischoff abgehalten. Und die Schulen, in denen ich gedreht habe, haben mich eingeladen, meinen Film zu zeigen.
Meine Filme sollen über Schlesien schreien

Photo und Zwischentitel:
1.Wenn ich durch Polen fahre, sehe ich eine gigantische Bürokratie in Warschau und dicke Datschas in Masuren. Der Rest von Polen sollte sich für die schlesische Armut mitverantwortlich fühlen.
2.Mein Traum wäre, dass sich polnische und deutsche Vertriebene an einen Tisch setzten – Danuta Skalska aus Bytom und Erika Steinbach beide aus dem Verband der Vertriebenen. Ich wüsste nicht was daraus geworden wäre, aber reden ist doch besser als sich zu Jammer
3.Bytom der durch die Bergbauschaden buchstäblich in die Erde sink ist ein Drama mit Weltdimension Mein Traum wäre eine Oper über den Untergang von Bytom zu machen.

Von Josef Krzyk „Gazeta Wyborcza“ vom 11.10.2013 Katowice. Michael und eigentlich Michal Majerski seit Ende 1970 in Deutschland arbeitend, Schlesier, lebt in Berlin und Stettin, Absolvent der Filmhochschule in Lodz, hat sich als Spezialist für Themen erwiesen um die anderen einen weiten Bogen machen. In „ Meiner Mutter Land“ und „Meines Vaters Haus“ hat uns über Polen erzählt die nach dem
2.Weltkrieg das West Pommern besiedelt haben weil sie aus ihrer Heimat von Stalin verjagt wurden und dann in diesem Zusammenhang über Deutschen die sich einen anderen Platz zum Leben suchen mussten. Aber auch über deutsche Frauen die trotz allem gewagt haben, dort unter den jetzt neuen und fremden Nachbarn zu bleiben. Majerski hat dabei nicht moralisiert und belehrt, aber dokumentiert das Drama den Einen und Anderen, entwurzelten und in einer fremd gewordenen welt verloren. Majerski gelang Ihre Protagonisten zum Reden bringen über eigene Geschichten über die sie jahrzehnte lang geschwiegen haben. Ähliches Kunststück gelang ihm in seinen schlesischen Dokumentarfilmen – „Oberschlesien-Streuselkuchen von zu Hause“ vor drei Jahren und in diesen Tagen in Chorzow gezeigten „Oberschlesien-Hier, wo wir uns begegnen“ ( Lob an Krzysztof Karwat der den Film in Rahmen der Zyklus „Oberschlesien – der kleine Heimat“ in Theater „Rozrywki“ presentiert hat. ) Achtung Katastrophe ! Wenn der vorletzte Film eine Art nostalgische Reise durch Oberschlesien war, angereicht mit Gesprächen mit Schlesier die ausgewandert sind und sich ein neues Zuhause am Rhein erbauten, dann der neue Film von Majerski, Ergebniss seiner zweijährigern Arbeit ist ein Schrei danach, Schlesien vor einer Katastrophe zu retten. Ein Schrei betonnt durch Bilder von gesprengten Schachttürmen und toten Landschaften. Majerski hat Schlesien gezeigt der keiner von denen die hier leben, sehen will. Er hat eine Welt gefilmt von alten, auseinanderfallenden Arbeitersiedlungen von armen Leuten bewohnt. Die einzig gut aussehende Stelle, ein neugebauter Kreisverkehr in einer Kleinstadt dient als Kulisse für eine düstere Geschichte. Gleich unter der Bodenfläche liegen Skelette von jungen deutschen Gymnasiasten , denen irgendeiner Idiot in den letzten Kriegstagen befohlen hat Soldatenuniforme anzuziehen und schickte sie unbewaffnet direkt vor die Maschinengewehre der einmarschierenden Rotarmisten. In dem schlesischen Städtchen wo das passiert ist, wissen viele davon, aber nur einer – Majerski zeigt ihn – trauert. Er wohnt dort erst seit der Nachkriegszeit und ist kein Schlesier. Er hat ähnliche Geschichte zu erzählen, über seinen Grossvater den in der Nachkriegszeit polnische Sicherheitsbehörden auf dem Polizeirevier in Mielec auf dem Müll vergraben haben. Ähnlich traurig ist auch die Szene in der die Kamera das Gelände der ehemaligen Lager der NKWD in Tost besucht. Er ist neulich in ein Kohlenlager umgewandelt worden. Die Angehörigen von denen die hier zum Tode gefoltert wurden, dürfen keine Blumen lassen, weil sie nicht durch das Tor durchgelassen worden sind. Die Erben des Hasses Der Film von Majerski ist aber keine Abrechnung mit schlesischer Nachkriegsgeschichte obwohl viele von seinen Protagonisten über ihr Unrecht erzählen. Majerski legt Wert darauf, dass es sichtbar wird wie wenig die Bewohner Schlesien über sich wissen. Die Tatsache dass sie alle in getrennten Welten, ohne wirkliche Kontakte leben, ist nach der Meinung des Regisseurs die Ursache der sich immer mehr vergrösserte schlesischer Katastrophe. „Nicht das fehlende Geld, sondern der fehlende Wille ist die Ursache dass Oberschlesien nicht das Ruhrgebiet ähnelt“. Majerski öffnet seinen Film mit einem Motto, einer Warnung: „Wir sind die Erben des Hasses“. Unbewusst bestätigen das einige von seinen Protagonisten. Seit über 60 Jahren leben sie auf gepackten Koffern und denken an Schicksale der längst verstorbenen Eltern und Grosseltern. Und nach der Meinung von Majerski auf dieser Weise werden die Traumata an die nächste Generation weitergegeben. Die Politik – jetzt sei ihr an der Reihe Der Filmemacher meint, dass der Ausbruch aus dem verfluchten Kreis nur durch Annährung von allen Gesellschaftlichen Kreisen in Schlesien und vor allen eine gründliche Reform der Schulbildung, möglich wird. Die erste Unterrichtsstunde hat er selber während seiner Arbeit an dem Film durchgeführt – die Schüler der Slowacki Lyzeum in Chorzow haben erfahren, dass ihre Schule früher einen anderen Namensgeber hatte. Dieser Film – das hat Majerski selber gesagt – ist für junge Menschen gedacht damit sie ihre Augen auf die Umwelt wo sie leben aufmachen. Wäre auch gut wenn sich diesen Film „Oberschlesien – Hier, wo wir uns begegnen“ auch Politiker anschauen. Weil Majerski, der die Politik meidet, hat aber eine Wirklichkeit berührt die sich nicht ändert wenn die Politiker sie weiter ignorieren werden. Es ist schade, dass man nicht weiss wo und wann man sich den Film nochmals anschauen könnte. Ein Gespräch mit Michael Majerski Josef Krzyk: Warum haben Sie Oberschlesien in so düsteren Farben gezeigt, sind wir wirklich so ? Michael Majerski: Das ist nur ein Kostüm das aus dem Thema des Films hervorgeht und den Menschen die ich dort getroffen habe. Als ich das drehen angefangen habe, hatte ich kein fertiges Drehbuch, ich wusste nicht in welche Richtung ich gehen werde. Würde ich andere Menschen treffen, würde ich in dem Film ein anderes Schlesien zeigen. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass ist ein Film über die letzten Schlesier. Wollten sie das drehen ? Mein Film ist ein Schrei, weil ich zu Schlesien ein sehr emotionelles Verhältnis habe. Ich stamme von hier und sehe, dass die Reste unserer Kultur verschwinden. Vielleicht ist das ein natürlicher Ablauf der Dinge, schmerzt aber trotzdem. Haben sie nicht aufgehört sich als Schlesier zu fühlen obwohl sie hier seit über 30 Jahre nicht mehr leben ? Ich bin in Polanica (Altheide Bad) geboren wo meine Mutter Arbeitsanweisung bekommen hatte. Dort hat sie meinen polnischen Vater kennengelernt, grossgeworden bin ich aber in Gliwice (Gleiwitz) in dem Stadtteil den man „Bermudadreieck“ nennt. Das ist ein Viertel wo alles zusammenfällt – die Czeslawa und Franciszkanska Strasse. In Gliwice gibt’s doch viele schönere Plätze. Könnte man nicht lieber dort drehen? Auseinanderfallende Siedlungen gibt’s nicht nur in meinem „Bermuda Dreieck“. Als ich den Film gedreht habe, habe nicht daran gedacht ob ich gerade in Gliwice, Bytom oder Zabrze bin. Das durch Bergbauschaden in den Boden sinkende Bytom das ist ein Drama von mit Ausmass Weltdimension. Mein Traum wäre darüber eine Oper zu machen. Die Schwerindustrie die früher für Schlesien ein Segen war ist heute zum Fluch geworden? Einen Ort wo sich so viele überalterte Schwerindustrie an einem Ort konzentriert gibt es in Polen sonst nicht. Diese Industrie gilt komplett zu revitalisieren, Schlesien alleine schafft das aus eigenen Kräften nicht. Die Schlesier genauso. Was Ihre Meinung nach sollte man tun? Für den Anfang, wenn nicht eine antideutsche Phobie gäbe, könnte man sich in den Zug setzen und nach wenigen Stunden sich anschauen wie man das Problem im Ruhrgebiet gelöst hat. Sie scherzen? Dort wurden Milliarden ausgegeben. Die kriegt man in Polen nicht. Das Geld ist nicht das Problem sondern fehlende Konzepte und Entscheidungen. Wenn sich Jemand mit fehlendem Geld ausredet, dann glaube ich nicht daran. Zunächst sollte man selber für eine Sache überzeugt auftreten, sich zusammen organisieren und dann wird sich das Geld finden können. Sogar in solchen Ruinen was sie in dem Film gezeigt haben lässt sich was machen? Gäbe in Oberschlesien z.B. Kunstgalerien würden sich auch Investoren finden die hier ihr Kapital investieren. Es wird dann klar: hier gibt’s Menschen die über den Tellerrand schauen können und sie werden unsere Vorhaben absichern können. Wer kann das machen, wen die Menschen die in dem Film zu sehen sind, sogar diese die schon seit langen hier leben, sich in Schlesien immer noch fremd fühlen? Ich möchte nicht missverstanden werden, aber mir fällen hier die Vertriebenenverbände ein. Menschen die dort organisiert sind, leben oft nur in der Vergangenheit statt zu versuchen sich Gedanken zu machen wie sollte man heute das Leben gestalten. Ich verstehe diese Menschen gut weil sie in ihren Traumata versunken sind und keiner ihnen dabei hilft. Es gibt doch ein Spruch dass man sich an eigenen Schopf nicht aus dem Dreck herausziehen kann. Polnische Vertriebene aus den ehemals polnischen Gebieten sind zu hermetisch. Ich meine warum könnte sich Frau Skalska und Frau Steinbach nicht zusammen an einen Tisch setzen und über Lösungen für Schlesien sprechen? Vielleicht weil Jede von den würde lieber reden als zuhören? Ich bin mir bewusst welche Gefahren ein solcher Treff mit sich bringt aber trotzdem ist das ein Versuch wert. Das ist doch auf jeden Fall besser als ständiges klagen. Das übrige Polen hört ungern das ständige Jammern in Oberschlesien Wie könnte man sie zu Meinungswechsel überzeugen? Es geht nicht um übertriebene schlesische Ansprüche. Wenn ich durch Polen fahre sehe ich in Warschau eine gigantische Bürokratie und dicke Datschas in Masuren. Das übrige Polen sollte sich für die schlesische Armut mitverantwortlich fühlen. Sind sie für schlesische Autonomie? Egal wie man das nennt aber die Entscheidungsträger sollten doch akzeptieren, dass dieser Region völlig anders als die anderen ist und man darf den nicht mehr so behandeln wie bisher, weil das nicht funktioniert. Ich habe keine Patentrezepte aber ich weiss dass es mittlerweile zu wenig von den Einheimischen Oberschlesien gibt die alleine Schlesien aus dem Zusammenbruch retten. Schlesien war immer Mehrkulturell und so soll es weiter bleiben. Mein Traum wäre dass Frau Skalska und andere polnische Vertriebene sagen würden: auch wir sind Schlesier, mehrsprachige schlesische Ethnien. Schlesien ist unsere Heimat für die wir die Verantwortung übernehmen werden und derer Schicksal in unseren Herzen liegt. Sie sind Fantast es sollte man doch endlich auch klein mit irgendetwas anfangen. Durch den Film konnte sich bereits etwas bewegen. Nachdem ich mit der Kamera nach Tost gefahren bin um zu zeigen was dort auf dem Gelände des ehemaligen NKWD Lager passiert, wurde dort ein Gottesdienst vom Bischoff gehalten. Dann die Schulen wo ich gedreht habe, haben mich mit dem Film eingeladen.